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Indische Kühe

Schon in den ältesten indischen Schriften, den Veden, kommt in bildhafter Sprache die Kuh als Göttin vor, die Verkörperung der Erde, Prithivi Mata. Auch spätere hinduistische Schriften bezeichnen sie an einigen Stellen als Göttin. Besonders häufig tritt die Wunschkuh auf, die Erfüllerin der Wünsche mit dem Namen Kamadhenu.

Im ländlichen Bereich ehrt man Kühe an bestimmten Tagen, z.B. bei dem Lichterfest Divali oder zu Sankranti, dem Erntedankfest der Farmer. Dann werden sie geputzt, geschmückt und bekommen besonderes Futter.

Traditionell schlachten Hindus keine Rinder, der Verzehr von Rindfleisch ist ein Nahrungstabu.
In früheren Zeiten wurden Kühe, die keine Milch mehr gaben bis zu ihrem natürlichen Tod gefüttert.
 

Heilige Kuh, eine der fünf Göttlichen Mütter

Heutige Hindus begründen die besondere Stellung der Kuh damit, dass sie eine Mutter sei, die den Menschen alles zum Leben gebe. Sie gilt ihnen als Symbol der Fürsorge und Lebenserhaltung. Der Atharvaveda schreibt: „Die Kuh ist der Vishnu-Inkarnation Krishna zugeordnet. Gott Krishna nämlich wuchs unter Kühen auf und wurde von ihnen genährt und geschützt. Das Füttern einer Kuh gilt bis heute als Ritus, mit der der Gott Krishna verehrt wird.
 
 
 

In früheren Zeiten hatte die Kuh im Hinduismus tatsächlich wie Vishnu die Funktion des Erhalters; das Überleben der Menschen hing erheblich von ihr ab. So lieferte sie nicht nur Nahrung, sondern auch wertvollen Dünger, Behausung, Medizin und Arbeitskraft. Noch heute ist der Ochse (das männliche Rind) für viele arme Bauern in Indien das einzige Zugtier und damit die Stütze der Landwirtschaft; für Millionen in Städten und Dörfern ist ihr Dung das wichtigste Brennmaterial für das tägliche Kochen, zum Bau der Häuser ist er in den Dörfern unerlässlich. Man mischt ihn auch dem Wasser bei, mit dem man Haus und Hof reinigt, besonders auch den Platz für den Gottesdienst. Diese Reinigung findet nach Meinung gläubiger Hindus nicht nur auf der materiellen, sondern ebenso auf der spirituellen Ebene statt. Der Dung hat sich ferner als wirksames Insektizid erwiesen. Entsprechende Produkte werden heute gewerbsmäßig hergestellt. Dung und Urin von Rindern setzt die traditionelle Volksmedizin Ayurveda gegen verschiedene Krankheiten ein.
 

In Indien auf dem Land ist der Ochsenkarren immer noch ein verbreitetes Transportmittel

Wie man diese Medizin herstellt vermittelt der mit uns kooperierende Goshala Trust in wöchentlichen Workshops.
Eine Mischung aus Dung, Urin, Milch, Ghee und Joghurt unter dem Namen Panchagavya (Sanskrit, etwa „fünf Erzeugnisse der Kuh“) wird als biologisches Düngemittel, im Ayurveda und als Opferspeise (prasad) beim Tempeldienst verwendet.
 
 
 
 
*Sanjay Bashyam leitet (*laut Beitrag Deutschlandfunk Kultur vom 21.5.2015) einen Goshala, ein Kuhasyl, im Bundesstaat Rajasthan. Hier betreuen er und seine Mitarbeiter an die hundert Kühe – Tiere, die meist verstoßen wurden, weil sie krank, unfruchtbar, alt oder behindert sind. Sanjay Bashyams verstorbener Guru hatte seinen Anhängern immer wieder eingeschärft, sich dem Wohl der Kuh zu widmen – einer Spezies, die als Mutter des Universums und der Menschen gilt und von deren Bedeutung bereits diverse vedische Schöpfungsmythen zeugen.
„Unser Guru sagte: ‚Wenn ihr Ruhe und Frieden auf dieser Erde sucht, dann wendet euch den Kühen zu. Umsorgt sie, begegnet ihnen mit Liebe!‘  Wir haben uns das zu Herzen genommen. Was wir anstreben ist, allen Kühen, die in unseren Städten leben, einen Hort zu verschaffen, an dem man sich um sie kümmert.“

Die Kuh, betont der Betreiber der Goshala, sei das nützlichste Geschöpf der ganzen Welt und sie revanchiere sich für den Respekt, den die Gläubigen ihr bezeugten.

„Die Kuh macht uns fünf Geschenke: ihren Urin, der unter anderem in der Volksmedizin Anwendung findet. Ihren Dung, einen der wichtigsten Brennstoffe im ganzen Land. Dann gibt sie uns ihre Milch, sie versorgt uns mit Joghurt und mit Butter. Die fünf heiligen Produkte der Kuh schenken uns Gesundheit! In den letzten drei-, viertausend Jahren ist das Wissen um diese Dinge leider etwas verblasst. Aber wer sich umfassend mit alldem beschäftigt und sich das Ganze dann zu eigen macht, der kann in die sieben Galaxien des Bewusstseins eingehen!“

Der wirtschaftliche Druck ist auf dem Land jedoch sehr stark, dass Bauern alte Tiere bei einem „Unfall“ sterben lassen oder sie für wenig Geld verkaufen. Viele Bauern lassen ihre Kühe, wenn sie keine Milch mehr geben frei laufen, damit sie sich von Abfällen selbst ernähren.

Auf den Straßen Indiens liegen, stehen, sitzen Kühe und denken nicht daran, den Autos oder Menschen auszuweichen. Eine Kuh in Indien wird nicht etwa nur für heilig gehalten. Ganz offensichtlich IST sie eine heilige Kuh. Kein Hindu würde einer Kuh ein Haar krümmen. 

Kühe im Goshala Warangal

Das Herumgehen der Kühe in den Straßen, das Europäer amüsiert als besonders typisch für Indien betrachten, hat zweifellos seine traurige Schattenseite. Die klapperdürren Kühe, die wie lebende Verkehrsinseln auf einer Straße stehen, müssen im Müll nach Essbarem wühlen. „…Um irgendwie zu überleben, machen sie sich über die herumliegenden Plastiktüten mit Lebensmittelresten her.“        Mit fatalen Folgen, weil sich die Plastiktüten im Magen aufblähen und die Kühe unter unsäglichen Schmerzen leiden.
 
In einigen Gegenden in Indien gibt es sogenannte Goshalas, Tierasyle, wo kranke oder alte Kühe bis an ihr Lebensende gefüttert werden. Wohlhabende Privatpersonen oder Tempel-institutionen unterstützen diese Ställe mit Spenden, so auch unsere Indische Partnerorganisation in Warangal.

 

1 minute Video (English)

 
und ein weiteres 1 minute Video (English) Indian Cow